Denkmal-AG
killguss@eg-rheda.de

Die Denkmal-AG
Angefangen hat das Projekt etwa einen Monat vor unserer Projektwoche 2025. Unser damaliger Klassenlehrer, Herr Killguss, kam auf uns als Klasse zu und meinte er hätte ein Projekt, welches wir machen könnten. Es ging um ein altes Frauenarbeitslager und Zwangsarbeitergräber auf dem katholischen Friedhof der Gemeinde St. Clemens , die aus der NS-Zeit stammen. Er wollte mit uns die Spuren, die diese Menschen in der Geschichte Rhedas zurückließen, untersuchen. Wir fanden die Idee klasse.
Unser Lehrer hatte gemeinsam mit uns Ideen für Tätigkeiten gesammelt, die uns während der Projektwoche und bei der Spurensuche helfen könnten. Dabei war uns vor allem klar, dass wir recherchieren müssen, wer die Toten unter den Grabsteinen sind. Dabei hatten wir Hilfe vom Heimatverein Rheda, der die Kooperation mit dem EG angestoßen hatte.
Am ersten Tag unserer Projektwoche hörten wir einen Vortrag von Herrn Ellermann, ein Historiker und Soziologe, der beispielsweise auch Führungen an der Wewelsburg anbietet. Dieser klärte uns zunächst über die Nachkriegszeit in Rheda auf und zeigte uns historische Bilder von heute noch erhaltenen Orten. Danach durften wir mit der Webseite Arolsen Archivs die Namen auf den Gräbern recherchieren. Arolsen Archis ist eine Seite, auf der alte Dokumente aus der NS-Zeit eingescannt und öffentlich zugänglich sind. Manche der Namen waren eingedeutscht oder in der Schreibweise verändert, was unsere Recherche erschwerte. Jedoch hatten wir Glück und wir konnten einiges über die Toten herausfinden (Screenshots davon sind unten auf der Seite zu finden.). Das meiste konnten wir allerdings später an dem Tag herausfinden, denn Annette Roesler vom Stadtarchiv Rheda ermöglichte es uns einen Einblick in die Unterlagen dieser Zeit zu erhalten. Hier fanden wir vor allem die Todesursachen vieler ehemaliger Zwangsarbeiter, die beispielsweise auch im Frauenlager im Bosfelder Weg untergebracht waren.
Nach einem erfolgreichen ersten Tag säuberten wir die Gräber. In den darauf folgenden Tagen der Projektwoche und später haben manche von uns noch die Namen auf den Steinen nachgezogen.
Natürlich haben wir, wie alle anderen Kurse auch, unsere Arbeit am letzten Tag der Projektwoche in Form einer Stellwand mit vielen Informationen den anderen Schülern vorgestellt. Manche der Bilder, die wir dafür benutzt haben, finden sich auch auf der Stele, die nun vor den Gräbern steht wider.
In der Projektwoche gingen wir also den Spuren nach, aber danach endete unsere Spurensuche nicht. Im neuen Schuljahr führte ein Teil der Klasse 9d als Denkmal-AG die Arbeit fort. Wir forschten also weiter, erstellten diese Webseite und arbeiteten am Entwurf einer Stele für die Zwangsarbeitergräber mit. Weiterhin erstellten wir mit Herrn Killguss, der in diesem Schuljahr unser Kunstlehrer war, Linolschnitte zu dem Thema. Einige dieser Linolschnitte findet man auch auf der Stele auf dem katholischen Freidhof wieder.
Text: Hannes Sasse
Zwangsarbeitergräber auf dem Katholischen Friedhof
Wir, die 8a, haben zum Ende des Schuljahres 2024/25 das Projekt „Zwangsarbeiter in Rheda "bearbeitet. Zu diesem Projekt kam es, da man ein unerforschtes Zwangsarbeiterlager in der Nähe vom Simonswerk und Gräber von Zwangsarbeitern auf dem Katholischen Friedhof gefunden hatte. So stellten wir uns Fragen, z.B. wer hinter diesen Gräbern steckt und wie es war in einem solchen Lager zu arbeiten. Daraufhin hatten wir uns die Ziele gesetzt die Gräber zu säubem, die Geschichte hinter diesem Lager und die Daten der Zwangsarbeiter zu erforschen.
Zwangsarbeit in Rheda-Wiedenbrück
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Einsatz von Zwangsarbeitern zu einem festen Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft – nicht nur in den großen Industriezentren Deutschlands, sondern auch in kleineren Städten wie Rheda-Wiedenbrück. Mit dem Fortschreiten des Krieges und der Einberufung deutscher Männer zur Wehrmacht entstand in nahezu allen Wirtschaftsbereichen ein erheblicher Arbeitskräftemangel. Um diesen auszugleichen, verschleppte das NS-Regime Millionen Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten Europas ins Deutsche Reich. Sie mussten unter Zwang in Fabriken, landwirtschaftlichen Betrieben, Handwerksunternehmen und öffentlichen Einrichtungen arbeiten. Auch in Rheda-Wiedenbrück prägte dieses System den Alltag während der Kriegsjahre.
Besonders betroffen waren Menschen aus Polen, Belgien, sowie aus der damaligen Sowjetunion. Viele von ihnen waren zuvor gewaltsam aus ihren Heimatorten deportiert worden. Vor allem sogenannte „Ostarbeiter“, also Menschen aus der Ukraine, Belarus oder Russland, galten in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus als minderwertig und waren besonders brutalen Bedingungen ausgesetzt. Sie mussten oftmals schwerste körperliche Arbeit verrichten, erhielten nur unzureichende Nahrung und lebten unter ständiger Kontrolle.
Auch in Rheda-Wiedenbrück wurden Zwangsarbeiter nahezu überall eingesetzt. Sie ersetzten die in den Krieg gezogenen Männer und arbeiteten in unterschiedlichen wirtschaftlichen Sektoren des Landes. Gleichzeitig profitierten lokale Unternehmen von ihrer Arbeitskraft. Besonders die Textilindustrie spielte dabei eine bedeutende Rolle. Ein zentraler Ort dieses dunklen Kapitels der Stadtgeschichte war das Zwangsarbeiterlager der Textilfirma „Rawe & Co.“. Das Unternehmen war während der NS-Zeit ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft und stellte unter anderem Textilien für den Kriegsbedarf her. Um die Produktion trotz der kriegsbedingten Personalknappheit aufrechtzuerhalten, griff auch „Rawe & Co.“ auf Zwangsarbeiter zurück.Dieser Ort exestiert noch heute, wurde aber umfunktioniert zu einer Fliesenaustellung der Firma "Happe" und befindet sich im Bosfelderweg 7, 33378 Rheda-Wiedenbrück.Die Menschen lebten dort unter beengten und menschenunwürdigen Bedingungen. Die Unterbringung bot kaum Schutz vor Kälte oder Nässe, hygienische Einrichtungen waren unzureichend oder fehlten ganz. Viele litten unter Hunger, Krankheiten und völliger Erschöpfung. Hinzu kam die permanente Angst vor Bestrafungen. Wer sich widersetzte, krank wurde oder den Anforderungen der Arbeit nicht genügte, musste mit Gewalt oder sogar mit den Tod rechnen.
Viele der nach Deutschland verschleppten Menschen überlebten die harte Arbeit, Unterernährung und Krankheiten nicht. Auch in Rheda-Wiedenbrück hinterließ dieses Leid sichtbare Spuren. Auf dem katholischen Friedhof der Stadt befinden sich bis heute die Gräber von 14 Zwangsarbeitern. Hinter jedem dieser Gräber steht ein individuelles Schicksal – Menschen, die ihrer Familien, ihrer Heimat und ihrer Freiheit beraubt wurden und schließlich ums Leben kamen. Lange Zeit fanden diese Opfer im öffentlichen Bewusstsein jedoch nur wenig Beachtung. Nach dem Ende des Krieges standen in Deutschland zunächst Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung im Vordergrund, während viele Aspekte der lokalen NS-Geschichte verdrängt oder verschwiegen wurden.
Erst Jahrzehnte später begann eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter. In Rheda-Wiedenbrück engagieren sich heute Initiativen wie der Heimatverein Rheda gemeinsam mit Schülern des Einstein-Gymnasiums dafür, die Geschichte dieser Menschen aufzuarbeiten. Durch die Reinigung und Pflege der Grabstätten, die Auswertung historischer Dokumente sowie die Recherche in Archiven versuchen sie, die Biografien der Opfer zu rekonstruieren und ihnen ihre Namen und ihre Würde zurückzugeben.
Diese Erinnerungsarbeit besitzt eine besondere Bedeutung, weil sie die nationalsozialistischen Verbrechen nicht nur als abstraktes historisches Ereignis begreift, sondern ihren direkten Bezug zur eigenen Stadtgeschichte sichtbar macht. Die Geschichte der Zwangsarbeit zeigt, dass auch kleinere Städte und lokale Unternehmen Teil des nationalsozialistischen Unterdrückungs- und Ausbeutungssystems waren. Sie macht deutlich, wie eng der Alltag vieler Menschen mit den Strukturen des Regimes verbunden war und wie wirtschaftliche Interessen zur Aufrechterhaltung des Systems beitrugen.
Geplant ist deshalb, die Geschichte der Zwangsarbeit in Rheda-Wiedenbrück wissenschaftlich weiter aufzuarbeiten und durch Informationstafeln an ehemaligen Lagerstandorten dauerhaft sichtbar zu machen. Damit soll eine lebendige Erinnerungskultur entstehen, die besonders auch jüngere Generationen erreicht. Die Schicksale der verschleppten Männer und Frauen sollen nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Geschichte erinnert daran, welche Folgen Diktatur, Rassismus und Menschenverachtung haben können – und wie wichtig es ist, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen.
Text: Tristan Schleef
Quellen und Links:
Katholischer Friedhof, St. Clemes-Pfarrgemeinde https://www.pr-rhc.de
Bundeszentrale für politische Bildung https://www.bpb.de/?utm_source=chatgpt.com
Arolsen Archives https://arolsen-archives.org/?utm_source=chatgpt.com
Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück https://service.rheda-wiedenbrueck.de/detail/-/vr-bis-detail/dienstleistung/7900/show
Heimatverein Rheda https://www.heimatverein-rheda.de?utm_source.com